Auf Wiedersehen (mal sehen). Warum Tesla und ich keine Freunde mehr sind…

Im meinem letzten Post habe ich noch von der tollen Option berichtet, einen neuen Tesla zum alten Preis und Supercharger-Flat zu bekommen. Pustekuchen. Die Versprechungen der Vertriebsmitarbeiterin klangen alle sehr gut und auch das Angebot als solches. Leider war es aber nicht so einfach einen Brieftausch bei der Bank11 durchzuführen. Also theoretisch schon, wenn ich die Differenz des Kaufpreises neu/alt bar aus der Tasche hätte bezahlen wollen. Und leider hat es so lange gedauert, bis das Auto quasi nicht mehr verfügbar war. Das war nicht so schlimm, denn die Konditionen wären ja eh nicht so super gewesen.

Also hat mir Frau Tesla ein neues Auto rausgesucht. Ein hübscher S75D für einen schönen Stapel weniger Geld. Leider auch dieses Mal lauter Probleme im Prozedere. Ich hatte mittlerweile mehrere potentielle Käufer für meinen S85, einen verbindliche Zusage bezüglich Übergabetermin konnte ich nicht nennen. Daher sprang einer nach dem anderen ab. Als ich dann selbst innerhalb von einer Woche, von Tesla weder Kaufvertrag noch Lieferzusage bekommen habe, habe ich wieder versucht, die Vertriebsfrau zu erreichen. Keine Chance. Der Kollege von „Warum kein Mercedes“-Blog hat ganz ähnliche Dinge erlebt (wenn auch nicht ganz in der Dosierung wie ich) und seine Toleranz – oder der Will-Haben-Effekt – war größer. Bei mir war nach weiteren Tagen Warten die Geduld zu Ende. Ich habe meine Bestellung storniert.

Zusammengefasst: Tesla baut tolle Autos, technologisch spannend und der Kraftakt, die Infrastruktur aufzubauen, ist gewaltig. Davor ziehe ich meinen Hut. Aber was sie nicht können, ist Verbindlichkeit im Service und Autos verkaufen. Mit dieser Performance wird man es am Massenmarkt wirklich schwer haben. Viele Menschen, die bereit sind 100K für ein Auto zu bezahlen, erwarten ein wenig Zuverlässigkeit – nicht nur beim Auto, sondern auch beim Geschäftspartner.

Meine Tesla wollte ich jetzt nicht mehr behalten. Zuviel Ärger und negative Erlebnisse – klar, das ist ganz schön trotzig von mir. Also ich habe mein schönes Auto verkauft. Er darf jetzt als Mietwagen bei der Autovermietung Gayer dienen.

Aber was ist jetzt meine Alternative? Kein Tesla, was dann?

Andere Elektroautos kommen aufgrund fehlender Schnelllade-Infrastruktur nicht in Frage. Diesel und Benziner auch nicht. Warum kein Erdgas-Auto? Co2 Bilanz gut, die Möglichkeit Biogas zu fahren ist gegeben und würde die Bilanz noch besser machen. Was ist mit Infrastruktur? 900 Erdgastankstellen in Deutschland. Im Vergleich zur Ladeinfrastruktur ist das gar nicht so schlecht und die Reichweite ist bei bivalenten Erdgasautos auch gar nicht so sehr Angsteinflössend (Gas ca. 40okm, gesamt ca. 1.200km).

Also muss man nur noch ein Auto finden, dass eine Eignung für Vielfahrer und Langstreckenpiloten mitbringt. Wer stellt solche Autos noch her? Neben dem Problem, dass VW beim Dieselskandal bewiesen hat, nicht unbedingt den Kunden in den Mittelpunkt des Handelns stellt, kombiniert man die Erdgas-Fahrzeuge der Kernmarke auch gerne mit dem unzuverlässigen Direktschaltgetriebe und montiert die  Gastanks unter dem Auto. Explosionsgefaaaaahr. Ne, VW will ich so oder so nicht. Auch kein Audi, kein Seat und Skoda.

Bleibt neben FIAT (reden wir nicht drüber) nur noch Mercedes. Da gibt es im aktuellen Portfolio allerdings nur die B-Klasse als Erdgas-Fahrzeug. Die B-Klasse wäre eigentlich von der Größe her OK, bei der Gas-B-Klasse ist der Kofferaum und das Heck arg eingeschränkt. Von der letzten Baureihe der E-Klasse gab es noch ein NGD Modell (Natural Gas Drive). Der Kofferraum ist auch ein gutes Stück kleiner, als bei der normalen E-Klasse aber dafür ist der Rest komfortabel, groß und zuverlässig. Und der ADAC hat das Auto sogar sehr gut getestet. Haken dran, das Auto wäre was.

In Berlin sind wir fündig geworden. Eine Kiste von Mitte 2014, E-Klasse W212 Mopf (so nennt der Daimer Enthusiast die Modelpflege, das Facelift). Vernünftige Ausstattung, akzeptabler Preis und nicht zu viele Kilometer.

So werden wir nach zwei Elektroautos von Tesla, also erst einmal wieder einen Verbrenner fahren. Und man muss schon sagen, die gesamte Kaufabwicklung war um Welten einfacher und Kunden-orientierter, als bei Tesla. Da macht sich die Erfahrung positiv bemerkbar.

Die Frage „Warum kein Mercedes“ (ein Blog in dem ein passionierter Mercedes Fahrer seinen Umstieg zu Tesla dokumentiert) haben wir für uns mit einem „Warum eigentlich nicht“ beantwortet. Jetzt heißt es noch eine Woche warten und dann wird der Benz abgeholt.

 

danielm

 

7 Gedanken zu „Auf Wiedersehen (mal sehen). Warum Tesla und ich keine Freunde mehr sind…

  1. Warum kein Fiat? Sind bewährte, zuverlässige Autos. Natürlich gab es Modelle die viele Probleme machten (Kleinere Elektrik – Macken, die Motoren sind seit Jahren mit das zuverlässigste was es gibt), aber das hatten alle anderen auch, gerade Mercedes.
    Und kaum eine Firma hat bei Erdgas mehr Erfahrung als Fiat.
    Du solltest deine Scheuklappen mal abnehmen…

    1. Ich hab keine Scheuklappen, hatte schon mehrere FIAT (Panda, Uno, Tipo, Bravo) und keiner war auch nur im Ansatz zuverlässig. Und das ist mir mit das Wichtigste am Auto!

        1. bei den Fiats? Das ist schon ewig her. Warum immer wieder? Als Anfänger ist man nachsichtig, die Beziehung wurde erst im Laufe der Zeit nachhaltig gestört. Mein erster eigener FIAT war ein UNO Diesel. Der hatte keine 80tkm gelaufen, da waren alle Lager der Motoraufhängung kaputt, Lichtmaschine, Anlasser, Wasserpumpe etc. Nicht schlimm, war ein Anfängerauto. Dann hatte ich einen Tipo mit 1,4 Liter Benzinmotor, der hatte auch ständig was. Zugesetzte Bremsen (laut Mechaniker ist nicht für Streusalz konstruiert), digitales Multiinstrument ausgefallen, Benzinpumpe. Das war schon ärgerlicher, der Wagen war kein Jahr alt und hatte damals gerade mal 14tkm runter. Von meinem Bravo rede ich lieber nicht, der wurde recht schnell vom Händler zurück genommen. FIAT bietet allerdings heute auch kein Erdgasauto in der Kategorie einer E-Klasse oder gar eines Model S an. Und ich will nicht unbedingt Klein- oder Kastenwagen fahren. Das passt halt einfach nicht.

  2. Ich hätte ja gerne im TFF Forum auf deinen Beitrag geantwortet, aber offenbar dürfen da nur Tesla Fans schreiben???
    Dein Ärger wundert mich nicht, ich beobachte Tesla schon seit Jahren.

    Ihr grösstes Problem ist: Sie machen mich jedem verkauftem Auto Verlust. Wie die anderen Hersteller mit ihren E – Modellen auch, aber die müssen das eben, damit sie ihre klassischen Autos verkaufen dürfen, für die es einen Markt gibt ausserhalb von Behörden und Energieunternehmen.

    Am Anfang hat Tesla kaum auf die Kosten geschaut, seit etwa einem Jahr ist das anders, und am „einfachsten“ glaubten sie, bei den Mitarbeitern sparen zu können.

    Wird natürlich nicht funktionieren, aber das hat ja schon die Zukunftsbranche „Solar“ leidvoll erfahren müssen. Dauerhaft wird man gegen die Naturgesetze nicht gewinnen können, auch mit massiven Subventionen nicht…

    1. Ich bin gespannt, wie Tesla den Einstieg in die Mittelklasse bewerkstelligen wird. Das kann so wie es aktuell läuft, nur Probleme geben. Irgendwann wird schlechter Service teurer, als die Kosten für ein durchdachtes Konzept.

      Soweit ich weiß, zahlt Tesla übrigens auf die Fahrzeugkosten bezogen nicht drauf. Die Bruttogewinnmarge ist sogar sehr gut (im Vergleich mit Daimler, BMW, etc.). Die Anlauffinanzierung für neue Entwicklungen, Infrastruktur, Anlagen und Co. wurden lange Zeit aus dem Cashflow bestritten, daher war/ist das Geld traditionell etwas knapp.

    2. Sorry, die Aussage mit den Verlusten pro Auto stimmt so nicht. Ich zitiere mal:
      Die Bruttomarge steht im Vergleich zu den etablierten Premiumherstellern gut da.
      Die Bruttomarge für das Autogeschäft von Tesla (ohne die Dienstleistungen und andere Umsatzquellen wie auch den Verkauf von ZEV-Credits, den Punkten für Fahrzeuge mit null Emissionen) betrug in Q2 21,2 %. Das ist ein starker Wert, der im Vergleich zu anderen Premiumherstellern gut da steht: BMW (WKN:519000) mit 18%, Daimler (WKN:710000) mit 20,8%, und Audi (WKN:675700) mit 18,9% (für die erste Jahreshälfte 2016).

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