Wie es dazu kommen konnte

Ich bin knapp jetzt fast 42 und als ich mir zum ersten mal bewusst wurde, dass unserere individuelle Mobilität eine ziemliche blöde Sackgasse ist, war im Herbst 2015. Bis dahin habe ich aber schon deutlich über 50 verschiedene Autos gefahren (ca. 15 Millionen KM geschätzt) und wieder verkauft. Und auch wenn zu bestimmten Zeiten spezielle Autos Kaufreflexe (Will-Haben-Gefühl) auslösen konnten, waren Autos nie Statussymbol oder gar Verlängerung meines Organs zur Fortpflanzug. So viel sei mal vorab zur Einordnung verraten.

Ich war noch nie klassischer Berufspendler oder Außendienstler, trotzdem lag meine jährliche Fahrleistung oft über 25.000 km. Und dank meines Faibles für Autos gab es dadurch oft genug Gründe, sich immer wieder mal ein neues (gebrauchtes – zw. 15 und 25.000 Euro) anzuschaffen.

Sternstunden zur Vernunft

Am Anfang meiner Karriere waren es große Limousinen aus Stuttgart, mit vielen Kilometern und entsprechendem Wartungsstau. Warum? Groß geworden in den 90er Jahren, erlebte das Hippie Lebensgefühl ein Revival, man cruiste auf dem Land von Kumpel zu Kumpel. Hörte Led Zeppelin und Janis Joplin und was bleibt da über? Meine Freunde fuhren W123er und alte Stricher, bei mir reichte es nur Kadett C und Golf nach Erwerb des Führerscheins. Sobald ich etwas Geld hatte, kaufte ich mir den guten alten Daimler W124 in seiner wunderbaren 200D Variante (Buchhalter ohne alles, weiß, 4 Gang, manuelle Fensterheber – kein Hufeisen), nach kurzer Zeit noch einen und dann einen Kombi.

So richtig cool waren die Autos damals aber nicht. Und nachdem meine Strecken aufgrund Studiums im tiefsten Osten immer länger wurden und die Verlässlichkeit immer wichtiger wurden, zog es mich zum Hersteller aus Wolfsburg, mit seinen hübschen Volumenmodell in Turbodiesel Ausprägung. Aber auch Fiat, Audi und Citroen gehörten zu den Herstellern, deren Autos ich fuhr. Was sich jetzt fast ein bisschen strategisch durchdacht liest, war es in der Realität nicht. Die Anschaffungen sehr Lustgetrieben und meistens ging ich größere Kompromisse ein, um Autos fahren zu können, die außerhalb meines Budgets lagen (zu viele Kilometer, Vorbesitzer, doofe Motorisierung).

Nutzen und Hoch sitzen

Und zunehmenden Alter und nach ein paar Offroad Touren im Ausland und im Thüringer Land packte mich die 4×4 Lust und mein Beuteschema wandelte sich wieder. Erst gab es richtige kernige Geländewagen, mit dem Ziel irgendwann eins der Autos zum Fernreisefähigen Mobil umzubauen und damit in Wallachei zu fahren. Dazu kam es nie und dann wechselte ich aus Bequemlichkeit auch noch zu SUVs (ja, heute schäme ich mich dafür). Irgendwann siegte die Vernunft – 10 Liter Diesel sind zu viel, wenn man die selbe Aufgabe (maximal zu Zweit von A nach B zu kommen, auch mit der Hälfte Kraftstoff erledigen kann –  und die Autos wurden wieder kleiner.

Zusammengefasst kann mann sagen: Deutschland, Korea, Schweden, USA, Frankreich, Italien und Frankreich waren vertreten. Der Anteil der Diesel Fahrzeuge lag bei min. 95% und das Alter bei Kauf etwa 4 Jahren mit ca. 80.000 km Laufleistung.

Puuuh. Und dann ereigneten sich Dinge, die dann doch auf eine Konsequenz hinaus liefen:

  1. Meine Frau und ich haben beschlossen ein Haus zu bauen. Altersvorsorge und so. Nachhaltigkeit aber auch irgendwie. In unserer damaligen Heimat München wäre es für uns Aufsteigerkinder ohne Kapital im Rücken einfach nicht möglich gewesen. An der Stadt hingen wir als Zugereiste aber auch nicht. Also haben wir uns auf dem Land umgesehen und ein Grundstück ca. 80km von den Arbeitsstellen entfernt aber mit direkter Bahnverbindung gefunden. Dann haben wir unser kleines Traumhaus gebaut. Im Herbst zogen wir auch ein.
  2. Eine typische Bahngeschichte. Unser Plan stand, wir wollten ganz umweltbewusst und vernünftig Bahnpendler werden und haben uns testweise dreimonatige Bahnabos beschafft. Doch schon nach Woche zwei war klar, dass es nicht funktionieren wird. Meine Frau und ich haben beide den Luxus, relativ flexible Arbeitszeiten zu haben. Aber deswegen morgens eine Stunde mehr am Bahnsteig zu verbringen und nie zu wissen, ob man mal pünktlich ist oder nicht, ist nicht cool. Der Terminkalender leidet sehr darunter. Nach den drei Testmonaten stand fest, wir müssen mit dem Auto pendeln.
  3. Das Gewissen, stimuliert durch den VW-Abgasskandal, mischt sich in die Kaufentscheidung ein. In der Presse nahm gerade NoX Skandal und die liebevoll benannte „Schummelsoftware“ bei Dieselfahrzeugen Fahrt auf. Und wenn man ehrlich ist, ahnte man auch vorher schon, dass Verbrauchswerte und Feinstaubfilter beim Diesel nur Blendgranaten sind und „clean Diesel“ Utopie ist. Aber welches Antriebskonzept eignet sich dann für Vielfahrer (jetzt immerhin 50.000km pro Jahr)? Benzin, vielleicht so ein Direkteinspritzer Verbrauchswunder? Ein Blick beim Spritmonitor beantwortete diese Frage schlagartig. Keins der Fahrzeuge hält die Verbrauchsangaben auch nur Ansatzweise ein, bei unserem Profil unbrauchbar. Von der Zuverlässigkeit gesehen, war auch keine Offenbarung in Sicht.

Elektrisch oder Hybrid

Also große Frage, was tun. Unsere liebste Lösung wäre ein Elektroauto gewesen. Ökostrom (vielleicht sogar selbst erzeugt) dazu und fertig. Gab nur leider ein Problem: Außer dem Tesla Model S85 gab es praktisch kein Auto, mit dem wir unsere tägliche Strecke zu jeder Jahreszeit bewältigen könnten. Und dieser Tesla S lag außerhalb unserer Möglichkeiten.

Wie wäre es mit einer Mischung aus beiden Welten? Ein Hybrid, vielleicht eines japanischen Herstellers? Wird es ein Prius? Mit der sprichwörtlichen Zuverlässigkeit und jahrelanger Erfahrung in der Technologie? Man weiß es nicht…

Ein überzeugendes Bild lies sich aus der deutschen Presse leider nicht raus lesen. Schlechte Presse soweit das Auge reicht. Von „Hybrid – keine Technologie für Pendler“, „höherer Verbrauch als Golf TDI“ bis hin zu „Langweilig“ gab es viel zu lesen. Im Gegensatz dazu: Weltweit hat sich der Prius seit 1997 wie geschnitten Brot verkauft, warum nur? Die Foren, z.B. Priusfreunde, brachten die Klarheit. Der Prius zählt nicht nur zu den sparsamsten, sondern auch zu den verschleißärmsten Verbrenner Autos weltweit. Und sowas suchten wir doch…

Das war die Lösung, Toyota Prius. Erst schafften wir uns einen älteren Prius 2 an und als der ohne Murren seinen Langstreckendienst versah und nicht einmal zickte, verkauften wir unseren backup Diesel (Kia Carens, falls Frauchen und ich mal nicht gemeinsam fahren können und für lange Touren in die Berge) und schafften uns noch einen neueren Prius 3 an. Beide Autos haben wir inzwischen gute 25.000 bzw. 45.000 km gefahren. Ohne jede Macke. Den alten mit einem Verbrauch von ca. 5 Litern und den neuen Prius mit ca. 4,4 Litern. So sieht vollste Zufriedenheit aus!

Trotzdem, das Elektroauto bleibt unser Ziel…

 

danielm

 

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